Verständnis von Ganzheitlichkeit

Das Konzept der Ganzheitlichkeit

„Ganzheitlich“ ist zum Modewort geworden und wenn unser Verband den anspruchsvollen Namen “für Ganzheitliches Führungs- und Persönlickeits-Coaching” trägt, ist es angemessen, den Begriff mit einer klaren Definition und Deutung zu füllen und dies zu kommunizieren.

Die Angebote des Verbandes bzw. seiner Mitglieds-Coaches richten sich überwiegend an Führungskräfte und Wirtschaftsunternehmen. Damit sind sie als Coaches der Notwendigkeit ausgesetzt, funktionale Zielerfüllungen zu unterstützen. Sie müssen daher über psychologisch-therapeutische Ansätze hinausgehen, die sich vor allem auf das Wohlfühlen und bessere Selbstverstehen eines Klienten richten, nicht aber auf das Funktionieren von dessen Beiträgen in einem Wirtschaftsunternehmen. Auf der anderen Seite hat sich auch für zweckrational operierende Unternehmen gezeigt, dass eine reine Dressur von Menschen auf Funktionserfüllung wenig Erfolg versprechend ist. Nur wenn sich der Einzelne als „Zweck an sich selbst“ (Immanuel Kant) wahrgenommen und gefördert fühlt, kann man davon ausgehen, dass er motiviert ist, sich persönlich einzubringen.

Wir definieren entsprechend als Ziel eines ganzheitlichen Coaching-Ansatzes einen sinnerfüllten, mit sich selbst, seiner sozialen und physischen Umwelt in Einklang lebenden Menschen.

Dabei lässt sich “Einklang” als prozessorientierte Fähigkeit verstehen, mit allen wechselnden inneren und äußeren Impulsen erfolgreich, und das heißt lebenserhaltend, umzugehen.

Als Hinsichten, die jeder Mensch dabei berücksichtigen und in seine gesamte Life-Balance integrieren muss, lassen sich die folgenden Lebensbereiche bzw. die eigene Person betreffenden Aspekte benennen:

1. Die Vergangenheit

Jeder Mensch stammt aus seiner eigenen Vergangenheit, aus der seiner Familie, seiner Kulturgemeinschaft und ist dadurch im Positiven wie im Negativen beeinflusst. Er hat sich mit dem Negativen als Altlast auseinander zu setzen und das Positive zu erkennen und in sein Leben zu integrieren.

2. Die Gegenwart

Jeder Mensch lebt in der Gegenwart und nur da ist Glück und Lebensfreude zu erleben. Er muss die aus den aktuellen Ereignissen ziehen und trotz akuten Bedrohungen aufrechterhalten können. Um nicht Opfer der Umstände zu werden, muss er sachgerecht mit seiner Gegenwart umgehen und sich in ihr behaupten können.

3. Die Zukunft

Ohne positive Perspektiven für die Zukunft, seinen es konkrete Erwartungen, Ziele oder auch nur vage Hoffnungen können die meisten Menschen nur schwer zufrieden leben. So wie wir uns durch unsere Vergangenheit geprägt fühlen, prägen auch unsere Einstellungen gegenüber der Zukunft unser Lebensgefühl. Die Zuversicht, sich auch in der Zukunft behaupten zu können und darin Lösungen für offene Fragen oder Aufgaben finden oder schaffen zu können, macht einen wichtigen Teil der persönlichen Lebenszufriedenheit aus.

4. Der Beruf

Während der eigene soziale Verband – die Familie und der Freundeskreis – im günstigen Fall Sicherheit und Geborgenheit schenken können, gibt es auch den Lebensbereich, in dem man sich in einer fremden und ungeborgenen Außenwelt behaupten muss und das, für die Bedürfniserfüllung Notwendige erjagen muss. Für diesen Bereich sind Kompetenzen erforderlich, um im Wettbewerb bestehen zu können.

5. Die Familie

Die Familie und das private Umfeld ist der Ort der engen dauerhaften Verbundenheit, wo man seinen dauerhaften Platz als Partner, Sohn, Tochter, Vater oder Mutter hat. Ein Feld unauflöslicher Verbindungen, in denen man sich ebenfalls platzieren und behaupten muss, das man ebenfalls gestalten muss.

6. Das Ich

Zwischen Beruf und Familie scheint manchmal kaum noch Raum für einen eigenen Platz mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Leidenschaften und doch ist dieser Platz notwendig. Es ist der Raum zwischen den Mühlsteinen, die sonst die eigene Person aufzureiben und zu zermalmen drohen. Das Ich ist die Selbststeuerungsinstanz, die zwischen allen anderen Feldern so vermitteln muss, dass es eine als Zufriedenheit und Ausgeglichenheit gefühlte Gesamtbalance im eigenen Leben gibt. Das Ich ist für die Vermittlung zwischen allen Anforderungen sämtlicher Lebensbereiche zuständig und muss daher grundsätzlich bestärkt und in seiner Kompetenz gefördert weden.

7. Der Körper

Ein kranker Körper beeinträchtigt den Menschen in all seinen Vollzügen in den anderen Lebensbereichen. Insofern ist es bei der Selbstführung eine weitere zentrale Aufgabe so zu leben, dass man den Bedürfnissen seines Körpers Rechnung trägt und ihn nicht vorzeitig verschleißt, sondern seine Gesundheit unterstützt und stärkt.

8. Die Seele

Leidet die Psyche bzw. Seele des Menschen, kann sein Körper krank werden. Insofern gibt es neben der Körperhygiene eine Psychohygiene. Wenn Trauer, Schmerz oder Ängste nicht verarbeitet werden, können sie sich verselbständigen und im Leben eines Menschen als Depressionen oder Panikattacken ein Eigenleben führen und ihn blind machen für alles, was ihn mit Freude nähren könnte.

9. Der Geist

Der Geist ist sowohl für Erkenntnis, Wissens- und Informationsverarbeitung sowie für den sachgerechten Umgang mit der Außenwelt zuständig. Zugleich beinhaltet er die Fähigkeit zur Selbstreflexion, die für die Sinngebung im eigenen Leben sowie für die eigene Selbstführung und Life-Balance hilfreich ist.

Life-Balance

Das Zusammenspiel aller neun Bereiche und eine in einem dynamischen Gleichgewicht immer wieder neu hergestellte Balance ist das Geheimnis eines erfüllten und glücklichen Lebens.

So wie aus der Vergangenheit in der eigenen Familie verursachte seelische Depressionen, die der Geist vielleicht nicht versteht, im Körper zu Funktionsstörungen führen können, die einen Menschen bei seinen beruflichen Anforderungen beeinträchtigen können, so sind Problemlösungen oft nur möglich, wenn man einen Überblick über die Gewichts- und Lastenverteilung in allen neun Feldern hat.

Ein häufiger Grund für scheinbar lösungsresistente Probleme liegt darin, dass sie ihre Ursache in einem anderen Feld haben, als dort, wo sie als Symptom auftreten.

Meistens sind einem beruflich bedingten externen Coaching bereits andere fachliche oder sogar disziplinarische Gespräche vorausgegangen, sodass diese bei einer Beratung mindestens berücksichtigt, wenn nicht gar in den Vordergrund gerückt werden müssen.

Die Kompetenz und Leistung der Coaches dieses Verbandes liegt vor allem darin, mit diesem Blick für das Ganze und einer speziellen Interviewtechnik, die Hintergründe von Problem- und Aufgabestellungen durchscannen zu können, um dann tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Dabei ist es nicht nur das Ziel Symptome zu verändern, sondern ein ganzes System im Gleichgewicht zu halten oder wieder dahin zu bringen.

Die all dem zugrunde liegende Beobachtung und Erfahrung, dass Menschen, die sich in einem entspannten Gleichgewicht befinden, aus innerer Motivation handeln und für ihr Handeln Sinn fordern, führt zur Notwendigkeit jede einzelne gewünschte Aktivität in einen größeren und sinnvollen Sinnzusammenhang zu stellen und zu kommunizieren. Ist ein solcher Zusammenhang erarbeitet und erkannt und steht nichts anderes dem entgegen, ist mit einer hoher Leistungsbereitschaft von Menschen auch in ihrem beruflichen Tun zu rechnen.